Freitag, 5. Juni 2015

[Nenya asked...] Ivo Pala

Ivo bei einer Lesung, anlässlich der diesjährigen
"Darmstädter Krimitagen" aus H20
 Hallöchen liebe Bücherwürmer und Leseratten!

Heute habe ich ein ganz besonderes Autoren Interview für euch - ein Interview, über das ich mich selbst sehr gefreut hatte :)

Ich durfte dem deutschen Autoren Ivo Pala meine Fragen stellen, die er alle sehr ausführlich beantwortet hat!

Ein wirklich sympathischer Mensch verbirgt sich hinter dem Autor, dem ich recht herzlich für dieses tolle Interview danken möchte! DANKESCHÖÖN lieber IVO!



1.      Viele denken ja, dass „IVO PALA“ dein Pseudonym sei. Jedoch handelt es sich um deinen bürgerlichen Namen. Praktisch, wenn man so einen tollen Namen hat!Wie findest du es, wenn Leute nach deinem richtigen Namen fragen, weil sie denken „ivo Pala“ sei dein Pseudonym?
Das hat schon lange vor meiner Karriere als Schriftsteller angefangen. Schon in der Schule bin ich nahezu zuverlässig jedes Jahr von jedem neuen Lehrer gefragt worden, wofür Ivo denn die Abkürzung sei. Nur mein Biologielehrer in der Oberstufe kannte den Namen, denn er hatte seinen Sohn ebenfalls Ivo getauft. Er war es auch, der mich darüber aufklärte, dass der Name sich von der Eibe ableitet, was letztendlich viele, viele Jahre später dann zu meinem Roman „Die Lazarus Formel“ geführt hat, der sich unter anderem mit den außergewöhnlichen Eigenschaften dieses Baumes auseinandersetzt.


2.      In welchem Beruf hast du gearbeitet, bevor du Autor wurdest?
Ich habe eine Ausbildung in der Hotellerie absolviert und anschließend Volkswirtschaftslehre studiert. Danach habe ich in Vertrieb und Marketing diverser Telekommunikations- und IT-Unternehmen gearbeitet. Aber ich habe seit meinem 18. Lebensjahr schon immer - zunächst nebenbei - geschrieben und veröffentlicht.


3.      Autor, Drehbuchautor für Film und Fernsehen – mehrere Romane veröffentlicht.
Du hast tolle Berufe. Wie war es, dein erstes Buch zu veröffentlichen und in den Händen zu halten?
Ich könnte da gar nicht unterscheiden zwischen dem ersten und dem letzten, denn es ist jedes Mal ein ganz fantastisches Gefühl, ein Buch zu veröffentlichen und dann letztendlich auch das erste Mal in den Händen zu halten. Ich möchte nicht so anmaßend sein, es mit der Geburt eines tatsächlichen Kindes zu vergleichen - und das nicht nur, weil ich keine Kinder habe -, aber wenn man all die Monate der Vorbereitung, der Planung und der Fertigung mit einbezieht, kommt es dem doch schon recht nah. Zudem ist es auf eine ganz uneitle Weise wie ein Geschenk, das man sich selber gemacht hat (obwohl man ja für den Leser schreibt), und für das man lange hart gearbeitet hat. Ganz gleich, wie gut oder wie schlecht es sich in der Folge verkaufen mag, es fühlt sich an als habe man nach langen Strapazen aber auch mit viel Freude den Gipfel eines Berges erklommen oder ein ewig langes Tennismatch gegen einen wirklich harten Gegner gewonnen. Es kann sich aber auch anfühlen wie der allerallerletzte Tanz am Ende eines berauschenden Balls - eine Mischung aus Euphorie und geradezu melancholischer Traurigkeit, dass es schon vorüber ist.


4.      Wie kamst du auf Idee, mit dem Schreiben anzufangen? Wolltest du schon immer Autor werden?
Von frühester Kindheit an habe ich Geschichten und Bücher schon immer als eine Art Magie empfunden; ganze Welten nur mit Buchstaben schaffen - nicht nur Welten, sondern auch Ozeane von Gefühlen. Das war eine Magie, die ich lernen und ausüben wollte: eigene Welten schaffen in den Köpfen und Herzen anderer, so wie andere Schriftsteller und Autoren Welten in meinen Kopf und in mein Herz hineingezaubert haben. Es kommt hinzu, dass ich auch schon immer sehr viel aus Büchern gelernt haben, also ein großer Teil meines Wissens aus ihnen stammt und auch ein erheblicher Teil meiner Weltanschauungen zumindest von ihnen angeregt wurden. Das wollte ich weitergeben und ebenfalls informieren und zum Denken anregen.


5.      Hättest du nach deinem ersten Buch gedacht, einmal ein erfolgreicher Autor zu werden?
Nach meinem allerersten Buch ganz bestimmt nicht. Ich war 18 und schrieb unter heimlichem Pseudonym. Das waren mehr oder weniger Auftragsarbeiten, keine wirklich eigenen Sachen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich den großen Traum, einmal ein erfolgreicher Autor zu werden, bereits an den Nagel gehängt. Ich hatte fast ein Jahr an einem Roman gearbeitet und dann im Kino einen Film gesehen, der das gleiche Thema und sogar eine ganz ähnliche Geschichte hatte wie mein Buch - was dieses damals in meinen Augen schlagartig hat wertlos werden lassen. Der Frust war nachvollziehbarer Weise ziemlich groß, zumal in dem Alter ein Jahr ein ganz schöner Batzen ist und es sich als unwiederbringlich verschwendete Zeit anfühlte. In den Jahren danach habe ich also in der Hauptsache nur nebenbei geschrieben, ohne Gedanken daran, jemals unter meinen echten Namen zu veröffentlichen oder sogar hauptberuflich Autor zu werden.

Ivo's Schreibtisch in aufgeräumten Zustand :)
6.      Wie sieht dein Schreibplatz aus? Zeigst du uns ein Foto?
Ich zeige euch natürlich ein gestelltes Foto; aufgeräumt und so. Normalerweise liegen da sonst noch jede Menge Karteikarten, Stifte, Zigarettenschachteln, Feuerzeuge, mein Tablettrechner und sonstige Utensilien herum, ganz zu schweigen von einem Aschenbecher und Gläsern und Tassen, die immer irgendwo zwischen den Tastaturen und den Monitoren rumstehen. Ganz normales kreatives Chaos 
eben.

7.      Die Elbenthal-Saga.
Auf der Website heißt es: Ein uralter Kampf gegen die Kreaturen der Dunkelheit, eine tödliche Bedrohung und eine unsterbliche Liebe, die nicht von dieser Welt ist – im Untergrund von Dresden.

Wie würdest du deine Elbenthal-Saga in drei Sätzen beschreiben?
In drei Sätzen? Das kann ich nicht. Deshalb habe ich ja drei ganze Bücher daraus gemacht. :)


8. Blanvalet ist dein Verlag! Auch deine Thriller H20 und Gift sind dort erschienen. 
Planst du schon an einem neuen Projekt, welches in diesem Verlag erscheinen wird?
Natürlich. Aber zunächst schreibe ich gerade an einem neuen, großen Fantasyprojekt - auch wieder eine dreiteilige Saga. Mehr darf ich zu diesem Zeitpunkt jedoch leider noch nicht verraten.


9. Bei FISCHER Sauerländer erschien dein Buch „Der Drache hinter dem Spiegel“.
Wie war es eine Geschichte für Kinder/Jugendliche zu schreiben?
Die Arbeit an dem Drachen hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, und es wird ganz gewiss noch weitere Kinderbücher aus meiner Feder geben.


10.  Thriller, Fantasy, Krimi oder Dystopie. Mittlerweile findet man die unterschiedlichsten Genre. In welchem Genre schreibst du am Liebsten? Und warum dieses Genre?
Oh, wenn ich mehr Zeit hätte oder wesentlich schneller schreiben könnte, würde es von mir durchaus auch Historienromane geben und Horror und auch Zeitgenössisches, sogar romantische Komödien. Ich schreibe alles gerne was sich auch selbst gerne lese. Daher kann ich auch die Frage, was ich am liebsten schreibe, nicht beantworten, da ich alle meine Stoffe gerne entwickle und schreibe; jeden einzelnen von ihnen mit dem gleichen Herzblut und derselben Leidenschaft.


11.  Zwischen Fantasy und Thriller. 
Fällt es dir schwer von dem einen Genre in das Andere zu wechseln und deine Geschichten zu schreiben?
Nein. Ich mag und brauche - wie beim Lesen ja auch - die Abwechslung, die Unterschiede.


12.  Du hast auch ein Pseudonym. Unter dem Namen „Richard Hagen“ erschienen die Bücher „Ihr unschuldiges Herz (2012)“ und „Bluthatz (2014)“. 
Warum hast du dich bei diesen Büchern für dein Pseudonym entschieden?
Ursprünglich war von mir, meine Agentur und dem Verlag angedacht, mit einem heimlichen Pseudonym eine klare Grenze zu schaffen zwischen meinen Fantasyprojekten und den realistischeren Stoffen - um bei der Leserschaft und auch im Buchhandel Verwirrung zu vermeiden. Das Pseudonym flog aber leider ganz schnell auf, womit wir der Verwirrung, die wir ja eigentlich vermeiden wollten, Tür und Tor geöffnet haben. Daher haben wir uns entschieden, auch meine realistischeren Bücher künftig unter meinem echten Namen zu veröffentlichen.


13.  Wie beschreiben dich deine Familie und Freunde in nur drei Worten?
Schwer zu sagen. Da müsste man sie wohl selbst fragen. Nein ehrlich, ich habe lange über diese Frage nachgedacht und muss gestehen, ich weiß es nicht.


14.  Das Schreiben nimmt sicherlich viel Zeit in Anspruch.
Hast du da überhaupt Zeit selbst zu lesen? Falls ja, welche Genre würden wir in deinem Bücherregal finden?
Selbstverständlich habe ich noch Zeit zu lesen! Selbst wenn ich nicht schreiben würde, könnte ich mir ein Leben ohne Bücher überhaupt nicht vorstellen. Wie oben bereits angedeutet, kann und will ich mich auch als Leser nicht auf bestimmte Genres festlegen. Ich lese für mein Leben gerne Kinderbücher (ganz besonders die Klassiker), Thriller, Krimis, Fantasy, Abenteuer, Horror, Science Fiction und Historienromane und auch Biografien. Ich liebe Shakespeare im Original und kann tagelang verschwinden in den Werken von Tacitus, Sueton und Flavius Josephus. Und dabei habe ich jetzt ganz bestimmt mehr als zwei Drittel vergessen.


15.  Hast du ein Lebensmotto? Wenn ja, würdest du uns es verraten?
Eigentlich finde ich so etwas ja albern, aber ich muss gestehen, es gibt da durchaus welche, die mich durch mein Leben begleiten. Da ist zum einen von Walt Disney: „Wenn du es träumen kannst, kannst du es auch tun! Bedenke, es hat alles mit einer Maus begonnen.“ Das zweite Motto ist von dem punischen Feldherrn Hannibal: „Wir finden einen Weg, oder wir machen einen.“


16.  Welche Dinge benutzt du zum Schreiben (zb: Schreibmaschine)?
Computer, Notizblöcke und meinen Tablettrechner. Massenhaft Stifte, Zigaretten, literweise Kaffee, Tee und Mineralwasser.


17.  Wie lange brauchst du durchschnittlich für einen deiner Romane mit allem drum und dran?
Das ist von Projekt zu Projekt zu unterschiedlich, um mit einem Durchschnitt irgendetwas reales auszudrücken. Vor allem wenn du nach dem drum und dran fragst. Meistens vergehen Jahre von der ersten Idee bis zum dann fertigen Buch, in anderen (ausgesprochen wenigen) Fällen sind es dann wiederum nur ein paar Monate. Letztere sind nicht nur die Ausnahme, sondern auch eine absolute Seltenheit. Meistens ist es ganz schwer zu erkennen oder auch zu bestimmen, wann und wie der erste Impuls, der erste Funke zu einer neuen Geschichte passiert und wie lange man sich damit jenseits der aktiven Arbeit daran schon unterbewusst oder nebenher beschäftigt hat. Bei vielen meiner Bücher zum Beispiel ist es so, dass ganz unterschiedliche Impulse und Grundideen aus völlig verschiedenen Zeitphasen sich erst sehr viel später zu einem Gesamtkonstrukt zusammenfügen. Lass mich dafür zwei Beispiele nennen: „Die Lazarus-Formel“ hat als eine ihrer Grundideen das Thema des vorhin bereits erwähnten Romans, den ich mit 18 verworfen hatte. Erschienen ist das Buch in 2011. Natürlich habe ich in der Zeit dazwischen oft auf der Geschichte herum gedacht, aber es wäre falsch, zu behaupten, ich hätte 27 Jahre daran gearbeitet. Dennoch hat mich die Recherche zu den mythologischen aber auch den wissenschaftlichen Hintergründen und Zusammenhängen einige Jahre gekostet. Die „Elbenthal-Saga“ wiederum hatte ihren ersten Impuls bei der Recherche zu einem ganz anderen Projekt, einem Historienroman. Ich bin dabei über einen seltsamen Bericht des Historikers Cassius Dio zu einem der Germanienfeldzüge des römischen Feldherrn Drusus gestolpert, der an der Elbe einer recht wundersamen, ja geradezu fantastischen Kriegerin begegnet ist, die ihn und sein gesamtes Heer nur mit ihrer furchteinflößenden Erscheinung und einer düsteren Prophezeiung in die Flucht geschlagen hat. Danach war die Arbeit an der Elbenthal-Saga sehr viel weniger das Erfinden und Konstruieren einer Geschichte als vielmehr das Aufschreiben von Ereignissen und Hintergründen; also mehr das Verfassen einer Chronik. Auch hier lagen somit zwischen dem ersten Impuls zur Saga bis zur eigentlichen Veröffentlichung des ersten Bandes einige Jahre, aber an dem Buch selbst (also dem Manuskript) habe ich dann um einiges schneller geschrieben als an „Die Lazarus-Formel“.



18.  Wie kommst du auf deine Schreib-Ideen? Inspirieren dich Familie/Freunde oder ganz andere Dinge?
Das werde ich - wie alle anderen meiner Kollegen - sehr oft gefragt. Hier bitte ich um Verständnis, dass das mein Berufsgeheimnis bleibt.


19.  Bei deinen ganzen Büchern hast du einige Charaktere erschaffen.
Sind alle in deiner Fantasie entsprungen, oder entsprechen manche auch realen Personen aus deinem Umfeld?
Grundsätzlich sind alle von mir erschaffenen Charaktere rein fiktionale Figuren, was nicht heißen soll, dass die eine oder andere von Ihnen nicht von der Realität, der Historie, oder auch Mythologien inspiriert wurde.


20.  Möchtest du zum Schluss noch etwas sagen?

Ja, natürlich! Ich möchte mich herzlich bedanken. Für dein Interesse an diesem Interview und meiner Arbeit und natürlich bei all meinen Leserinnen und Leser da draußen, die es mir ermöglichen, in meinem Traumberuf zu arbeiten und mir die Chance geben, sie mit meinen Geschichten zu bewegen und zu berühren.



Ich hoffe euch hat das Interview mit Ivo Pala gefallen! Falls ihr seine Bücher noch nicht kennt [habe ich vielleicht eure Neugierde geweckt], dann schaut euch doch mal seine ganzen Bücher genauer an :)


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